Magazin
MAGAZIN
Direkt aus der Baumschule
#greenbuilding

Direkt aus der Baumschule

In einem Naturpark bei Barcelona errichteten Experten ein Holzhaus, das jede Pandemie aussperren kann. Wirklich besonders war bei dem Bau allerdings die Art der Beschaffung des notwendigen Materials …

Schon vor der Pandemie war abzusehen, was die Corona-Zeit schlussendlich beschleunigt hat. Der nachhaltigste aller Baustoffe steht hoch im Kurs! Aktuell treibt dieser eigentlich schöne Umstand jedoch in der ganzen westlichen Welt wenig schöne Blüten. Die Holzpreise steigen ob der großen Nachfrage im Baugewerbe täglich immer weiter. Und das bedeutet: die Kalkulationen mancher Häuser werden gehörig über den Haufen geworfen.

The Voxel kennt keinen Holzpreis

Ein Problem, das die Erbauer der Pandemie-Bleibe namens The Voxel jedenfalls ob ihrer ungewöhnlichen Art der Holzbeschaffung von vornherein ausgeschlossen haben. Wenn auch keineswegs aus monetären Motiven. The Voxel ist das Projekt einer Gruppe von Studenten und Fachleuten des Masterstudiengangs Advanced Ecological Buildings and Biocities (MAEBB) des Institute of Advanced Architecture of Catalonia (IAAC) Valldaura Labs. In Kurzfassung: Es handelt sich um ein besonders spektakuläres Uni-Projekt im Naturpark Serra de Collserola. Dieser liegt in der Umgebung von Barcelona und bot dem Projektteam alles, was es brauchte.

The Voxel wurde aus jenen Kiefern erbaut, die es inmitten des Nationalparks auch umgeben.

Und das war: völlige Abgeschiedenheit inmitten einer natürlichen und vom Menschen unberührten Umgebung. Schließlich wollte man binnen fünf Monaten ein Haus bauen, dessen Baustoff Holz ausschließlich in der nächsten Umgebung bezogen wird.

Zufluchtsort in der nächsten Pandemie

The Voxel sollte ein Zufluchtsort werden, den man während einer Pandemie errichten könnte, um dann darin diese zu überstehen. Das Ergebnis: ein zwölf Quadratmeter großer Holzwürfel. Dieser sichert einer Person 14 Tage lang das Überleben. Errichtet wurde er aus so genanntem „Null Kilometer Material“.

Tatsächlich entstammt die gesamte Brettsperrholzstruktur aus Aleppokiefern. Diese fällten die Studenten selbst allesamt vor Ort in Valldaura. Ebenfalls am Bauplatz wurde es dann gefräst, getrocknet und verarbeitet. „Das gesamte für das Projekt verwendete Holz haben wir in einem Umkreis von weniger als einem Kilometer von der Baustelle geschlägert“, sind die Erbauer stolz.

Jedes Holzteil wird codiert

Die Details: 40 Kiefernbäume wurden vor Ort gefällt, in drei Zentimeter dicke Bretter geschnitten und drei Monate lang zum Trocknen gestapelt. Nachdem sie den richtigen Feuchtigkeitsgrad erreicht hatten, wurde jedes Brett in die nahe Zimmerei von Valldaura Labs gebracht. Hier verarbeiteten die Architekten in spe die Bretter in Hunderte Kiefernlamellen. Dabei wichtig: Jede Lamelle musste codiert werden, ehe sie zu einem der benötigten 30 Paneele weiterverarbeitet wurde. Somit ist jedes Schnitzel Holz jederzeit bis zum Stumpf des dafür gefällten Baums zurückverfolgbar.

Dass im Anschluss sämtliche Paneele mit metallfreien Verbindungselementen und Holzdübeln miteinander verbunden wurden, liegt auf der Hand. Nach der Montage wurde die Struktur schließlich mit einer Korkschicht umhüllt. Auch kamen Regenschutz-Schindeln zum Einsatz, die allesamt aus Abfallmaterial hergestellt wurden. Und zwar aus jenem, das beim Zuschnitt der Holzbretter anfiel.

Zurück zum Anfang, bitte!

Spulen wir kurz zurück an jenen Moment, als die Kiefernbretter aus dem Wald in das Sägewerk geliefert wurden. Um perfekte rechteckige Lamellen zu erhalten, entfernt man in der Regel bei der Verarbeitung den organischen Rand. Also die Rinde und das weiche Holzmaterial darunter. Was normalerweise im Mülleimer landet, wurde hierbei achtsam gesammelt. Und zu einem Dämm- und Schutzmaterial weiterverarbeitet.

Stimmiger Zusatzeffekt: Durch das Aufbringen dieses Materials erhielt The Voxel seinen unregelmäßigen Look. Dass dieser an die Oberfläche von Bäumen erinnert, ist ein charmanter Clou der Planer von The Voxel.

The Voxel
The Voxel

Dennoch mussten am Ende einige Bausteine doch zugekauft werden. Die drei Solarpaneele etwa, mit denen The Voxel autark Strom generieren kann. Hinzu kommt ein Batteriespeicher und das hochentwickelte Wassersystem. Dieses sammelt nicht nur Regenwasser. Hiermit kann der Bewohner sowohl Grau- als auch Schwarzwasser aufbereiten. Zudem erzeugt ein Biogassystem als Nebenprodukt zu nutzbarem Brennstoff auch natürlichen Dünger.

Turbo durch Dünger

Eine gute Sache, wenn man während der nächsten Pandemie an einen Zubau denken sollte. Dank Dünger kann man die Bauzeit desselben sicher um ein paar Monate verkürzen. Einfach die umliegenden Kiefern damit beglücken. Dann wachsen sie schneller und liefern eher das nötige Bauholz … 😉

Text: Johannes Stühlinger
Bilder: Adrià Goula

Weitere Artikel
für Sie:

Hamburg setzt neue Benchmark
#greenbuilding
Hamburg setzt neue Benchmark

Die HafenCity Hamburg ist ein zukunftstaugliches Stadtviertel. Ökologisch gekrönt wird es nun durch das Null-Emissionshaus, das völlig CO₂-neutral ist – und zerlegbar wie ein Lego-Haus.

Ein Holzhaus für die Nachwelt
#wohnen
Ein Holzhaus für die Nachwelt

Das Lakehouse in Brandenburg hat den Durchblick – gestalterisch und ökologisch. Architektin Hannelore Kaup erklärt das Holzhaus im Interview mit dem UBM Magazin und sagt, was es für eine erfolgreiche Klimawende braucht.

Das höchste Passivhaus der Welt
#greenbuilding
Das höchste Passivhaus der Welt

Canada's Earth Tower will alle bisherigen Holz-Hochhäuser in den Schatten stellen. Der 40-geschossige Wolkenkratzer in Vancouver wird mit seinem Energiekonzept das höchste Passivhaus der Welt werden.

Energiewende im Wiener Altbau
#architektur
Energiewende im Wiener Altbau

Wie sieht die CO₂-neutrale und resiliente Stadt von morgen aus? Das zeigt das Architekturfestival Open House Wien am 11. und 12. September 2021 und öffnet die innovativsten Bauten der Stadt.

Von der Kunst eine Stadt zu erschaffen
#stadtplanung
Von der Kunst eine Stadt zu erschaffen

Wenn es nach dem US-Milliardär Marc Lore geht, werden schon bald fünf Millionen Menschen in einer neuen Stadt namens Telosa wohnen, die beweist, dass man nachhaltig leben kann. Und, dass Eigentum wenig Rolle spielt. Als Partner an seiner Seite: der visionäre Architekt Bjarke Ingels von BIG.

Baumhaus der Superlative
#greenbuilding
Baumhaus der Superlative

Es trägt den Namen Tree House Rotterdam und sieht aus wie ein gigantisches Holzregal mit aufgesetzten Glaskobeln. Hollands neue Landmark in spe will die Nachhaltigkeit von Holz-Hochäusern auf ein neues Niveau hieven.

Das Dorf liegt in der Stadt
#greenbuilding
Das Dorf liegt in der Stadt

Kommunaler Gemüseanbau, geteilte Fahrzeuge und ein Holzbau, der manch andere überragt. Schwedens größte Wohnbaugenossenschaft feiert mit dem Projekt Västerbroplan ihr 100-jähriges Jubiläum und zeigt, wie das Wohnen der Zukunft geht.

Das Große steckt im Kleinen
#architektur
Das Große steckt im Kleinen

Der innovative Holzbau steht hoch im Kurs, auch bei Sakralbauten. Mit der fraktalen Struktur der Agri Chapel zeigt Architekt Yu Momoeda hohe Ingenieurskunst und nebenbei auch ein universelles Prinzip.

Die grünen Türme von Beverly Hills
#greenbuilding
Die grünen Türme von Beverly Hills

Wo sich Film-Stars gern tummeln, entsteht eines der größten Umweltprojekte der USA: „One Beverly Hills“ setzt grüne Türme und Gärten neben legendäre VIP-Hotels. Ein grünes „Dreieck“ nach dem Masterplan von Foster + Partners, das öffentliche Zonen und – natürlich – neuen Luxus bietet.

So wird High-Tech zu Holz-Tech
#greenbuilding
So wird High-Tech zu Holz-Tech

Für das Homerton College in Cambridge haben Alison Brooks Architects einen Holzbau entworfen, der moderne Holzbauweise mit High-Tech-Komponenten kombiniert. Das sei der nächste Schritt in eine kohlenstoffarme Zukunft, heißt es.

Das parametrische Office
#smart office
Das parametrische Office

Der Entwurf für das Pariser Bürogebäude Saint Denis zeigt, was im Holzbau durch parametrisches Design möglich ist. Architekt Arthur Mamou-Mani ist ein Shooting-Star in dieser neuen Disziplin. Wir haben ihn in einem Online-Meeting getroffen.

Die vertikale Kleingartensiedlung
#stadtplanung
Die vertikale Kleingartensiedlung

Für den Selbstversorger-Traum muss man nicht mehr zum Aussteiger werden. Das Modulkonzept The Farmhouse von Studio Precht lässt einen im Großstadtdschungel zum Kleinbauern werden.

Ist Holz der Baustoff der Zukunft?
#greenbuilding
Ist Holz der Baustoff der Zukunft?

Die Klimakrise erfordert ein radikales Umdenken und ein Neuorientieren in der Baubranche. Die Experten Martin Löcker und Hubert Rhomberg geben im Video-Interview Antworten darauf, welche Herausforderungen und welches Potenzial im Holzbau stecken.

„Nachhaltigkeit ist das Drehbuch für die Zukunft“
#greenbuilding
„Nachhaltigkeit ist das Drehbuch für die Zukunft“

Das Bürohaus Timber Pioneer ist der erste Holz-Hybrid-Bau in der Finanzmetropole Frankfurt. Immobilienentwickler Christian Paulus spricht im Interview über die Herausforderungen des Pionierprojektes und den Megatrend Nachhaltigkeit.

Die schiefen Hütten von Tungestølen
#hotel
Die schiefen Hütten von Tungestølen

Snøhetta macht Architektur auf hohem Niveau – und das obendrein in hoher Lage. Inmitten der Gletscher-Landschaft Norwegens realisierte das Architekturbüro die Schutzhütten Tungestølen mit hohem Hygge-Faktor.

Bauen mit Bambus macht Schule
#architektur #greenbuilding
Bauen mit Bambus macht Schule

Die renommierte Green School auf Bali wurde um The Arc erweitert. Die innovative Bauweise mit biegsamem Bambus des Spezialisten Ibuku bringt ein Maximum an Stabilität bei einem Minimum an Material.

Wie fein ist klein?
#wohnen
Wie fein ist klein?

Man kann in einem Zelt Urlaub machen. Oder man wohnt gleich in einem Tiny House wie der hippen LumiPod-Kabine. Stellt sich jedenfalls die Frage: Sehen diese Dinger bloß cool aus, oder kauft die auch wirklich jemand?

Wohntürme aus Holz und Stroh
#greenbuilding
Wohntürme aus Holz und Stroh

In Wolfsburg sollen neben Automobilen bald auch zwei Hochhäuser vom Band laufen. Der Prototyp Woodscraper ist ein preisgekröntes Modell aus Holz und Stroh, das mehr Ressourcen erzeugt, als es verbraucht.

Hanf kann Ihr Bewusstsein erweitern!
#greenbuilding
Hanf kann Ihr Bewusstsein erweitern!

Hanf lässt sich zu Hanfsteinen und -ziegeln verarbeiten. Das Naturmaterial besitzt viele wünschenswerte Eigenschaften – Hitzeschutz, gute Dämmung und Feuchtigkeitsregulierung sind nur einige davon.

Der schraubenfreie Pavillon
#greenbuilding
Der schraubenfreie Pavillon

Der japanische Architekt Kengo Kuma und der australische Künstler Geoff Nees haben den Botanical Pavilion entworfen, einen Holzpavillon, der wie ein 3D-Puzzle zusammengesetzt wird – ganz ohne Leim und Schrauben.

Die Zukunft wohnt im „Rainbow Tree“
#greenbuilding
Die Zukunft wohnt im „Rainbow Tree“

Ein farbenfroher Baum stand Pate für ein visionäres Projekt des Öko-Architekten Vincent Callebaut: Der 115 Meter hohe Turm „Rainbow Tree“ ist ein Wunderwerk aus Holz, das Bewohnern und Umwelt beste Zukunftsaussichten verspricht.

Holz mit Superkräften
#greenbuilding
Holz mit Superkräften

Der Architekt und Biologe Timothée Boitouzet verpasste dem Holz ein nanotechnologisches Upgrade. Dieser neue Holzstoff namens Woodoo ist lichtdurchlässig, feuerfest, wetterfest und bis zu fünf mal stärker als normales Holz.

Ein Biotop über Manhattan
#greenbuilding
Ein Biotop über Manhattan

Grüne Verdichtung, himmelwärts: Das Büro 3deluxe lotet Möglichkeiten nachhaltiger Stadtentwicklung aus. Sein Design des neuen „We the Planet“-House setzt ein Biotop über Manhattan – und demonstriert, wie immens Städte von Dachbegrünung profitieren.

Muschelschalen als Vorbild
#architektur
Muschelschalen als Vorbild

Delugan Meissl Associated Architects hat für die chinesische Stadt Taiyuan den botanischen Garten entworfen. Darin sind drei Holzfachwerkkuppeln, deren Gitterschalen rekordverdächtig sind.

Durch und durch aus Holz
#stadtplanung
Durch und durch aus Holz

Und wieder sind die Skandinavier eine Nasenlänge voraus. Das Sara Kulturhus im schwedischen Skellefteå zählt zu den höchsten Highrise-Strukturen der Welt, die zur Gänze aus Holz gebaut sind.

Hinter uns die Sintflut?
#greenbuilding
Hinter uns die Sintflut?

Was, wenn wir die globale Erwärmung nicht mehr in den Griff bekommen? Mittels Computersimulationen hat das W-LAB eine Art Klimawandel-Oase entwickelt, die uns das Überleben sichern würde. Aber: Macht das auch Spaß?

Timber mit Talent und Technologie
#greenbuilding
Timber mit Talent und Technologie

Das dänische Büro 3XN plant in Toronto mit dem T3 Bayside das höchste Bürogebäude Nordamerikas in Holzbauweise. Bei Fertigstellung wird der Komplex mehr als 500.000 Quadratmeter Bürofläche der nächsten Generation bieten.

Hochhaus im Korb
#greenbuilding
Hochhaus im Korb

In der niederländischen Stadt Den Haag ist ein 130 Meter hohes Holz-Hochhaus in Planung. Der Entwurf für The Lodge ist der Beginn einer neuen Ära von grünen Skyscrapern, die das Holz vor die Fassade holen.

„Der Klimawandel ändert alles“
#greenbuilding
„Der Klimawandel ändert alles“

Für das Architekturbüro Powerhouse Company hat Nachhaltigkeit höchste Priorität. Partner Stefan Prins schildert im Interview, warum achtsame Materialwahl und Energieeffizienz dabei noch nicht alles sind und wie essenziell es ist, beim Bauen alle Veränderungen zu bedenken, die der Klimawandel mit sich bringt.